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Schwarzwild im Rheingau mit DDT belastet

Landesweite Kontrollen bei Wildschweinen/Belastete Tiere in Rheingau und Untertaunus gefunden

Bache in Suhle (c) Mall aus Wiesbadener Kurier von Mathias Gubo

RHEINGAU-TAUNUS Nach der Entdeckung von DDT im Fleisch erlegter Wildschweine aus dem Rheingau hat Landrat Burkhard Albers die Angelegenheit zur "Chefsache" erklärt. Das Hessische Umweltministerium hat landesweite Kontrollen bei Wildschweinen angeordnet.

Bisher wurden mit DDT (Dichlordiphenyltrichlorethan, ein Pflanzenschutzmittel) und dem Holzschutzmittel Hexochlorcyclohexan belastete Wildschweine im Rheingau sowie in einem Revier bei Schlangenbad-Bärstadt und bei Heidenrod-Springen gefunden.
Entdeckung war Zufall
Die Entdeckung des mit dem lange schon verbotenen DDT belasteten Wildschweinfleisches war eher ein Zufall. Denn im Rahmen eines regelmäßig stattfindenden so genannten Monitorings hatte das Hessische Landeslabor Proben angefordert und auf diese Chemikalien hin untersucht. Nach dem positiven Befund habe sofort eine genauere Beprobung stattgefunden, erläutert Holger Botzen, Leiter des Fachdienstes Verbraucherschutz und Veterinärwesen beim Rheingau-Taunus-Kreis. Dort laufen nun alle Fäden zusammen.
Etwa 15 Prozent der Wildschweinproben aus dem Rheingau seien auffällig gewesen, so Botzen weiter, deshalb müsse man die Angelegenheit "aus Sicht des Verbraucherschutzes ernst nehmen". Auch wenn für die Bevölkerung "keine akute Gefahr" bestehe. Denn es könne davon ausgegangen werden, dass sich ein Mensch nicht ausschließlich von Wildschwein ernährt.
Die Befunde seien "breit gestreut", stammten aus dem gesamten Rheingau sowie zwei Revieren im Untertaunus. Weshalb Botzen nicht ausschließen mag, dass dies mit dem Wanderverhalten der Sauen zu tun hat. Immerhin kann ein Wildschwein bis zu 40 Kilometer pro Tag zurücklegen. "Nach der Quelle fahnden wir noch", sagte Botzen gestern auf Anfrage weiter, noch sei man nicht fündig geworden, habe man nur Vermutungen.
Demnach gehen die Fachleute bisher davon aus, dass die Wildschweine an alte Reste des Pflanzenschutzmittels geraten sind. Altlasten im Boden seien fett- aber nicht wasserlöslich, werden deshalb bei Regen nicht ausgespült, erläutert Holger Botzen. Er will nicht ausschließen, dass das Schwarzwild beim Wühlen im Boden an Wurzelschädlinge wie Würmer oder Engerlinge, die das DDT in sich trugen, geraten sind und diese gefressen haben. Die Muttersauen reicherten das Gift dann in ihrem Fettgewebe an und gaben es beim Säugen ihres Nachwuchses mit der Muttermilch weiter. Derzeit dürfen laut Jagdgesetz nur Frischlinge und so genannte Überläufer, also Tiere bis zu zwei Jahren, geschossen werden.
Die Nachricht habe die Bevölkerung aufgeschreckt und verunsichert, bestätigt Bernd van Zanten, Vorsitzender des Jagdvereins Untertaunus und Gastwirt im Bad Schwalbacher Stadtteil Fischbach. Seit vergangener Woche könne man keinen Frischlingsbraten mehr auf die Speisekarte setzen. Der Befund sei für alle Jäger und Jagdpächter "ein Schlag ins Gesicht". Deshalb ließen die Jäger geschossene Wildschweine auf freiwilliger Basis untersuchen. "Das ist in unserem eigenen Interesse", betont van Zanten. Denn schon aus Rücksicht auf die Landwirtschaft müssten auch weiterhin Wildschweine bejagt werden.
Anrufe besorgter Jäger
DDT in Wildschweinen habe man bis vergangene Woche nur aus Revieren in Bayern und Thüringen gekannt, so ein Sprecher des Hessischen Umweltministeriums. Deshalb seien sofort landesweite Kontrollen angeordnet worden. Doch bisher gebe es nur Meldungen aus den genannten Gebieten. Auch das Ministerium in Rheinland-Pfalz und die Kreisverwaltung in Bad Ems seien über die Sache informiert worden. Im Veterinäramt häufen sich die Anrufe besorgter Jäger. Es darf drezeit kein Wildschweinfleisch verkauft werden, das zuvor nicht untersucht wurde.
Bei DDT handelt es sich um ein bereits seit Anfang der siebziger Jahre verbotenes Pflanzenschutzmittel. Hexochlorcyclohexan wurde früher auch in der Forstwirtschaft eingesetzt.
(6/2007)


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