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Bayern hat der Wildkatze viel zu bieten

Habitatmodell weist 85 Prozent der Waldfläche als geeigneten Lebensraum aus

von Fiona Schönfeld (5/2010)
In manchen Regionen Bayerns gibt es geeignete Lebensräume für die Wildkatze, soviel steht fest. Nachweise von Wildkatzen-Vorkommen in einzelnen Wäldern Nord- und Ostbayerns bestätigen dies. Aber sind bayerische Wälder insgesamt für unsere kleinste heimische Raubkatze überhaupt attraktiv? Die Bayerische Forstverwaltung will mit ihrem Aktionsplan die Wildkatzen in Bayern fördern. Ein wichtiges Zwischenziel dabei ist, die Verbreitung der Wildkatze zu ermitteln. Dafür greift der Aktionsplan auf ein neu entwickeltes Habitatmodell zurück, das die potentiellen Verbreitungsgebiete dieser Wildart in Bayern errechnet.

Wildkatze (c) Bajohr Derzeit erarbeitet das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten einen »Aktionsplan 1 zur Förderung der Wildkatze in Bayern«. Wir berichteten darüber bereits in der LWF-aktuell-Ausgabe Nr. 73 (Schönfeld 2009). Ein Ziel dieses Aktionsplans ist unter anderem die Ermittlung der Wildkatzenverbreitung. Als Grundlage zur Beurteilung der Situation und der möglichen Bestandsentwicklung hat die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) das erste »Habitatmodell« zur potentiellen Verbreitung dieser Wildart in Bayern errechnet.
Entwickelt wurde das Modell in der Eifel. Zwölf Wildkatzen wurden telemetriert, d. h. die Tiere wurden mit Sendern versehen und ihre Bewegungsmuster verfolgt (Klar et al. 2008).


      Auf diese Weise ermittelten die Wildbiologen neben den Aktivitätsrhythmen auch die bevorzugten und die unattraktiven Biotopbereiche. Aus den 13.000 Lokalisationen wurde ein Habitatmodell erzeugt, das nun auf Bayern übertragen wurde. Das Habitatmodell bewertet gestuft die Eignung Bayerns als möglicher Lebensraum für die Wildkatze, das Streifgebietsmodell identifiziert jene Bereiche, die sich als dauerhaftes Habitat eignen.
      Das Habitatmodell stammt aus einem Gebiet mit Höhenlagen bis 700 Meter, Aussagen zur Eignung höherer Lagen sind daher nicht möglich. Aus Literaturangaben wurde deshalb eine Grenze von 800 Metern angenommen, bis zu der der Lebensraum für Wildkatzen klimatisch noch optimal sein und ganzjährig genutzt werden kann. Teilweise wurden Wälder höherer Lagen jedoch ins Streifgebietsmodell integriert, sofern sie mit tieferliegenden geeigneten Wäldern zusammenhängen. Ein Wildkatzenstreifgebiet kann sich durchaus entlang eines Hangwaldes über mehrere hundert Höhenmeter erstrecken, sofern die Witterungsverhältnisse günstig sind.


    Die Wildkatze hat durchaus gute Chancen, sich in Bayerns Wäldern wieder auszubreiten

    Die Wildkatze - ein Kulturflüchter
    Sieben Landnutzungskategorien zeichneten sich ab, die für die Lebensraumeignung ausschlaggebend sind. Die wichtigste Kategorie, die ein Wildkatzenbiotop positiv beeinflusst, ist Wald, da die Wildkatze auf Strukturreichtum angewiesen ist. Der Waldumbau und die naturgemäße Waldbewirtschaftung tragen also zur Förderung der Wildkatze bei.. Den negativsten Einfluss haben Ortschaften. Optimal für die Wildkatze sind also Gebiete, die innerhalb von Wald, am Waldrand, nahe Gewässern oder Wiesen liegen. Dort findet der Mäusejäger sowohl Deckung als auch Nahrung. Dagegen meiden Wildkatzen Siedlungen, Einzelhäuser und Straßen.
    Vision oder Wirklichkeit?
    Besonders bemerkenswert ist die Modellierungsmethode: Das Modell beruht auf aktuellen Geländedaten. Die möglichen Habitate wurden anhand der tatsächlich vorhandenen Strukturen ermittelt. Die abgebildeten Streifgebiete müssen nicht erst geschaffen werden, sondern existieren bereits heute in Bayern. Mit 22.500 Quadratkilometern kommen über 85 Prozent der Waldfläche als Heimat für die Wildkatze in Frage.

      Dier Erhebungen aus der Eifel ergaben, dass ein Streifgebiet mindestens 700 Hektar groß sein muss und zu mindestens 26 Prozent aus geeignetem und 13 Prozent optimalem Habitat bestehen muss. Zudem dürfen keine Siedlungsflächen vorhanden sein. Alle Waldgebiete dieser Zusammensetzung einschließlich eines 300 Meter breiten Pufferstreifens gelten als Streifgebiet. Außerhalb solcher Gebiete ist die Landschaft ungeeignet als dauerhafter Lebensraum, kann aber von Wildkatzen zum Teil durchwandert werden. Die Modellierung geht auf Nummer sicher und legt daher sehr konservative Werte zugrunde. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass neben den identifizierten Streifgebieten noch weitere Gebiete Bayerns als Lebensraum in Frage kommen. Geeignete Lebensräume befinden sich in folgenden Regionen:
      ·Spessart
      ·Rhön
      ·Steigerwald
      ·Haßberge
      ·Frankenhöhe
      ·Fränkische Schweiz
      ·Fränkische Alb
      ·Alpenvorland (westliche und südliche Gebiete)
      ·Bayerischer Wald (Tieflagen)
      ·Oberpfälzer Wald
      ·Fichtelgebirge
      ·Frankenwald

    Die Güte des Modells wurde mit unabhängigen Daten evaluiert, also Daten, die nicht zur Konstruktion des Modells verwendet worden waren. Bei der Verschneidung sicherer Wildkatzennachweise mit dem Streifgebietsmodell zeigte sich, dass alle bisher festgestellten bayerischen Wildkatzenvorkommen in den Streifgebieten lagen, ebenso wie die Auswilderungsgebiete. Dies beweist die Tauglichkeit des Modells für bayerische Verhältnisse.
      Auf der Fränkischen Alb sind größere Waldgebiete im Habitatmodell teilweise relativ schlecht bewertet. Das Habitatmodell stuft nur Bereiche in der Nähe oberirdischer Gewässern als optimal ein, da die Wildkatzen in der Eifel, von denen der Datensatz für die Modellierung stammt, gerne gewässernahe Bereiche aufsuchten. Wildkatzen leben in anderen Regionen jedoch auch in Karstgebieten, z. B. in Slowenien oder im thüringischen Nationalpark Hainich. Welche Rolle Karstgebiete in Bayern für die Wildkatze spielen, müsste mit weiteren Analysen geklärt werden. Die Aussagen zu Karstgebieten wie der Fränkischen Alb oder dem Alpenvorland sind daher sehr vorsichtig zu interpretieren.
    Welchen Zweck hat das Modell?
    Der Vorteil eines solchen Modells besteht darin, dass es eine Beurteilung der Habitateignung in Gegenden ermöglicht, aus denen keine detaillierten Beobachtungsdaten vorliegen. Zudem stellt das Modell eine hervorragende Grundlage für die konkrete Datenerhebung im Gelände dar - anhand der identifizierten Streifgebiete können Haarfallen gezielt ausgebracht werden. Erst Haarfunde ermöglichen über genetische Analyse den Artnachweis für die Wildkatze.
    Literatur
    Klar, N.; Fernández, N.; Kramer-Schadt, S.; Herrmann, M.; Trinzen, M.; Büttner, I.; Niemitz, C. (2008): Habitat selection models for European wildcat conservation. Biological Conservation 141, S. 308-319
    Schönfeld, F. (2009): Kleine Tiger in bayerischen Wäldern. LWF aktuell Nr. 73, S. 30-32

    Fiona Schönfeld ist Mitarbeiterin der Obersten Jagdbehörde des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. fiona.schoenfeld@stmelf.bayern.de

    Streifgebiet der Wildkatze

    Das Streifgebietsmodell identifiziert jene Bereiche, die als dauerhaftes Habitat geeignet sind. Wildkatzen finden bereits heute auf über 85 Prozent der Waldfläche einen passenden Lebensraum vor.

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    weitere Informationen

    Habitatmodell Wildkatze in Bayern
    Bayern hat der Wildkatze viel zu bieten


    BaWü - Forstliches Gutachten 2007
    Mehr Verbiß in Wäldern

    Jagdbericht Mecklenburg-Vorpommern
    PM Nr.: 208/07 vom 03.07.2007


    Gänsejagd
    Freiwillige Beschränkung


    Zahl der Wildunfälle unverändert
    Wildunfälle

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