|
|
Griffon Nivernais
Griffon Nivernais - Was ist das denn?
»Was ist denn das für ein Pudel?«, bekomme ich oft zu hören, wenn ich mit meiner Griffon Nivernais-Hündin Loulou irgendwo zur Drückjagd erscheine. »Ah, so, ein Griffon - kenn' ich! Ist der nicht sonst kupiert?«
Der Griffon, wie er in Deutschland bekannt ist, ist ein rauhaariger Vorstehhund, der in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts von dem holländischen Kynologen Edward Karel Korthals im Hessischen durch Kreuzungen verschiedener französischer Jagd- und Wasserhunde gezüchtet wurde.
In Frankreich bezeichnet der Begriff »Griffon« lediglich einen Jagdhund mit langem rauen Haar. Es gibt Griffons courants (rauhaarige Laufhunde [Bracken]) und Griffons d' arrêt (rauhaarige Vorstehhunde). Kurzhaarige Hunde werden als »Braque« bezeichnet und sind
Vorstehhunde - keine Bracken! Um die Sprachverwirrung für uns komplett zu machen, nennt der Franzose langhaarige Jagdhunde »Epagneul«, was keineswegs mit »Spaniel« zu übersetzen wäre.
Der Griffon Nivernais ist ein rauhaariger Laufhund aus Burgund, aus dem Département Nièvre (Nevers). Diese autochthone Rasse ist uralt und geht wahrscheinlich bis auf die berühmten »Grauen Hunde« Ludwigs des Heiligen (1226-70) zurück, die er von den Kreuzzügen mitgebrachte. Diese Grauen Hunde, Kreuzungen zwischen arabischen Windhunden und den Jagdhunden der Ritter, sind inzwischen ausgestorben, stehen wohl aber am Beginn vieler französischer Laufhunderassen. Im 17. Jahrhundert stellten die Grauen Hunde am Hofe Ludwigs des XIV. einen großen Teil der Equipage für die Jagd auf Hochwild. Wegen ihrer Wildheit und Jagdpassion waren sie übrigens die Lieblingsrasse des Sonnenkönigs.
Neben weiteren großen rauhaarigen Laufhunden bildeten die Grauen Hunde die Meuten der »Louveterie«, die seit dem Mittelalter in königlichem Auftrage durch Frankreich zogen, um einen regelrechten Vernichtungsfeldzug gegen den Wolf zu führen. Nicht jede Jagdhunderasse war für diese Aufgabe geeignet: Man brauchte einen eher ausdauernden als schnellen, fährtentreuen Hund mit sehr feiner Nase und ausgeprägter Wildschärfe, der auch Hitze und Kälte zu trotzen vermochte. Durch Einkreuzung von Hirtenhundeblut wurden diese rauhaarigen Gesellen schärfer und wetterfester als ihre glatthaarigen Kollegen.
Der Griffon Nivernais heute hat ein Stockmaß von 50-60 cm gegenüber der Version zu Isegrims Zeiten, die noch stattliche 70 cm maß. Sein Haar ist rau und struppig, die Haarlänge ist individuell sehr verschieden. Bart und besonders die buschigen Brauen lassen seinen Blick oft melancholisch erscheinen. Die Augen sind dunkel, die Behänge lang und leicht nach innen gefaltet. Der Kopf ist lang und hager, der Schädel fast flach und endet mit dem für französische Laufhunde typisch entwickelten Hinterhauptstachel. Die Säbelrute ist mittellang. Der Griffon Nivernais hat einen trockenen und sehnigen Körperbau, wobei er durch sein Haar stärker erscheint. Die Färbung variiert stark von wolfsgrau, blaugrau über saufarben und verwaschenen Brauntönen zu verwischtem Schwarz mit Abzeichen an Gesicht und Läufen. Welpen werden kurzhaarig gewölft und sind gefärbt wie Brandlbracken. Der Griffon Nivernais besitzt eine außergewöhnlich feine Nase. Seine Stimme ist tief, wohl- und weitklingend, der Spurlaut sehr eindrucksvoll. Im Ganzen macht der Griffon Nivernais einen derben, rustikalen Eindruck. Er wurde bei der Züchtung des Otterhounds verwendet, der ihm sehr ähnelt. In Kanada findet man in Meuten, die auf Bär oder Puma jagen, Hunde, die Griffons Nivernais sein könnten.
Der Griffon Nivernais hat ein freundliches und ausgeglichenes Wesen. Er ist intelligent und gelehrig, bisweilen etwas eigensinnig. Wie alle Bracken verträgt er keine übermäßige Härte, ist aber kein »Sensibelchen«. Er hat eine ausgesprochen feine Nase, ausgeprägte Fährtentreue und einen starken Finderwillen. Bei der Arbeit fällt seine Ruhe und Konzentration auf.
Er leistet außergewöhnlich gute Schweißarbeit, ist ein mutiger, aber besonnener Stöberer, kann jedoch auch ein bringfreudiger Apportierer sein oder ein ruhiger Familienhund, der alles
mitmacht.
Der Griffon Nivernais ist sehr führerbezogen und sollte keineswegs ausschließlich im Zwinger gehalten werden - er den braucht Anschluss an das »Familienrudel«. Im Hause und abseits der Jagd ist er ruhig, aber wachsam. Bei der Jagd klebt die Nase am Boden, dadurch ist er für seine Größe ungewohnt langsam - Das Wild verhofft immer wieder, um nach dem fährtenlauten Hund zu äugen. Absprünge und Widergänge werden vom Griffon Nivernais akribisch ausgetüftelt.
In Frankreich werden jährlich ca. 600 Welpen in das Zuchtbuch eingetragen,
bei uns wird der Gesamtbestand auf etwa 25 bis 30 Exemplare geschätzt. Es wäre schön, wenn diese »exotische« Rasse bei uns eine größere Verbreitung fände, denn sie ist für mich die ideale Rasse für den Einsatz auf Bewegungsjagden.
Für weitere Informationen und Kontakt:
Wilfried Sloman
Eichenallee 5
21521 Wohltorf
w.sloman@gmx.de
|