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Ausrüstungs-Tipps für Nachwuchs-Ökojäger
Tipps für Jungjäger

Aller Anfang ist schwer, wie der Volksmund so schön sagt, auch bei der Jagd. Und gerade dann bei der Jagd, wenn man sie vernünftig betreiben will. Vieles gibt es zu beachten: Die richtige Ausrüstung soll her, das theoretische Wissen will vertieft werden und vor allem: Praxiserfahrung muss man sammeln! Dieser kleine Leitfaden soll Euch dabei helfen, den richtigen Einstieg ins Jägerleben zu finden. Denn aus Fehlern lernt man zwar, aber es dürfen ruhig die Fehler anderer sein!

Deswegen findet Ihr hier zunächst alles Wichtige rund um's Thema Waffe, Optik und sonstige Ausrüstung, nur kurz angesprochen wird die Jagdkleidung, zu guter Letzt Literaturtipps - alles was man lesen muss, weil das Hirn immer noch unser wichtigstes Jagdorgan ist. Packen wir's an.


Die Waffe
„A Büchserl zum Schiaßn,
a Hunderl zum Jagen,
a Dirndl zum gernham,
muss jeder Bub haben."

Auch für Jungjägerinnen gilt: Ohne Gewehr ist alle Jagd schwer. Mit dem falschen Gewehr allerdings können jede Menge Probleme auf einen zukommen - was etwa Kosten, jagdhandwerkliche Aspekte und die Sicherheit angeht.

Achtet sowohl beim Gebraucht- als auch beim Neuwaffenkauf auf folgende Dinge, und Ihr seid auf der richtigen Seite: Handspannersystemen sollte man immer den Vorzug geben vor Selbstspannern - die sicherste Waffe ist ungeladen, die zweitsicherste ist ungespannt. Seit ich in die Mündung meiner (Handspanner-)Büchse gesehen habe, als diese gerade einen Meter unter mir auf die Hochsitzsprosse fiel, weiß ich diese Form der Lebensversicherung sehr zu schätzen - mögen die Sicherungen noch so ausgereift sein, am besten ist es, wenn meine Waffe bis kurz vor dem Schuss ungespannt bleibt. (Viele gängige Systeme kann man diesbezüglich nachrüsten.)

Eine schwere Einschränkung der Sicherheit wie auch der Effektivität der Waffe stellt der Stecher dar. „Hinderliches Gelumpe", wie der Berufsjäger Hespeler sagt. Gerade wenn's schnell gehen muss - und bei der Waldjagd muss es fast immer schnell gehen - vergibt man hier entscheidend Zeit und fängt das Hudeln an, oder noch schlimmer: Der Schuss geht unbeabsichtigt zu früh raus. Direktabzug heißt hier die Lösung.

Über Kaliber reden die allermeisten Jäger sich mit Freuden den Mund fusselig, ich nicht. Deswegen sei an dieser Stelle nur darauf hingewiesen, dass man mit falscher Rücksichtnahme auf Zweige, Laub, Gras etc. unnötig Chancen vergibt. Um ruhigen Gewissens durch die Botanik schießen zu können (die Entfernung muss aber stimmen, steht das Wild direkt hinter dem Busch, ist's in Ordnung), sollte ein robustes Waldkaliber Verwendung finden: 8x57 I(R)S, 9,3x62 oder .30-06 Springfield etwa. Suboptimal sind die anderen Kaliber der 7mm-Fraktion, wobei da jeder seine eigene Weltanschauung hat. Was die Laborierung angeht gilt: Der Lauf muss damit treffen, lieber ein langsames und schön schweres Geschoss wegen der Wildbretentwertung.

Da man bei Drückjagd und Nachsuche, manchmal sogar am Ansitz vom Zielfernrohr (siehe Optik) mehr behindert wird als dass es einem nützt, sollte auch die offene Visierung, sprich Kimme und Korn, etwas taugen: Nicht zu fein soll sie sein, und vor allem muss sie mit Eurer Munition eingeschossen werden! Das vergessen die meisten… Sehr gut ist z.B. die Raetz-Fluchtvisierung, aber die kostet soviel wie ein günstiges Leuchtpunktzielgerät.

Neben dem Zielfernrohr fehlen dann nur noch Kleinigkeiten, etwa ein bequemer Gewehrriemen (sehr gut in breiter Neopren-Ausführung von der Fa. Niggeloh, auch signalfarben erhältlich), Putzzeug (mein favourite, schön unkompliziert: eine Dose WD40 aus dem Baumarkt, ein alter Baumwolllappen und ein Quick-Clean-Putzstrick) und eine Gewehrtasche, in der ihr Euer wichtigstes (und wertvollstes) Werkzeug verstauen und transportieren könnt.

Am weitesten verbreitet - wohl zu Recht - sind die Repetierbüchsen. Allerdings mag auch eine Bockbüchsflinte oder ein Drilling eine gute Wahl sein, wenn die Dinger gut schießen (auch mit heißen Läufen) und man auf eine gleiche Treffpunktlage der Läufe beim Einschießen achtet. Es ist was Feines, beim Rehwilddrückerchen eine Ladung Schrot für schnelle Hasen parat zu haben. Dafür fehlt's eben an „Feuerkraft", wenn es gilt Dubletten oder gar Tripletten zu schießen.


Optik
„Wer nichts sieht, kann nichts schießen."

Wichtig, weil gut für Effektivität, Sicherheit und Tierschutz bei der Jagd ist ein vernünftiges Zielfernrohr. Daran sollte man nicht sparen! Neben Abbildungsgüte, Farbtreue, Randschärfe, Blickfeld, Dämmerungsleistung und all den anderen Katalogdaten gilt es zwei Dinge zu beachten. Den Einsatzzweck zunächst - als Jungjäger braucht man etwas universell verwendbares, für weite Schüsse im Feld, kurze Distanzen im Wald, Nachtansitz, Drückjagd und Pirsch am Tage. Und dann das Geld. Damit meine ich, dass man langfristig spart, wenn man gleich am Anfang seiner Laufbahn in ein ZFR investiert, das man dann auch ein Jägerleben lang hernimmt. Alles andere ist Schmarrn. Meine Empfehlung deswegen: Ein variables Glas, lieber unter- als überdimensioniert, Leuchtpunkt muss nicht sein, entweder von Zeiss, Swarowski oder Schmidt und Bender. Etwa das Varipoint 1,5 - 6 x 42, damit geht alles. Einmal trauern beim bezahlen, hinterher nur noch freuen.

Differenzierter will ich das Thema Fernglas behandeln. Auf der einen Seite macht Wildbeobachtung ja Spaß, man will genau ansprechen können und in tiefster Dunkelheit noch das austretende Reh am Waldtrauf erspähen. Auf der anderen Seite ist so ein Ding schwer, hinderlich und zumindest für die Rehwildbejagung (fast) überflüssig. Mein Praktikumsförster sagte mal zu mir, einen schlechten Jäger würde er daran erkennen, dass der zur Rehjagd ein Fernglas mitnimmt… Soweit will ich nicht gehen, sondern einen Mittelweg zwischen Zeiss und Sehmuskeltraining empfehlen: Kauft Euch ein günstiges Glas bei einem renommierten Hersteller mit universellen Rahmendaten. Z.B. ein 8x42 von Minox oder ein Steinerglas in 7x50. Damit seid Ihr gut bedient, habt aber nur die Hälfte von einem Zeiss oder Leica bezahlt.

Manche unter Euch haben vielleicht das gleiche Problem wie ich, nämlich dass das Schießen über Kimme und Korn einfach nicht funktioniert wie es funktionieren soll. Das liegt daran, dass das nicht über die Visierung blickende Auge dominant ist. Die Situation ist also damit vergleichbar, als ob ein Rechtshänder versucht mit dem Hammer in der Linken einen Nagel in die Wand zu schlagen… Für die oben genannten Situationen - Bewegungsjagd, Nachsuche, teilweise auch Ansitz - habe ich mir deswegen ein Leuchtpunktzielgerät zugelegt. Sicher nur dann lohnenswert, wenn man oft in die Verlegenheit kommt, Wild auf kurze Entfernung (30 Meter und weniger) zu schießen. Dann allerdings eine Zielhilfe, die ich nicht mehr missen möchte!

Abschließend zum Thema Waffen lässt sich noch festhalten, dass das beste Gewehr mit der brilliantesten Optik gar nichts hilft, wenn der Bediener nichts taugt. Das Gewehr schießt, der Schütze trifft! Zur Grundausstattung gehören also auch pro Jahr 50 Schuss Übungsmunition (mindestens), und an (auch mindestens) zwei Terminen im Jahr geht's dann auf den Schießstand. Am besten vor Aufgang der Bockjagd und dann noch einmal vor Beginn der Drückjagdsaison.


Sonstige Ausrüstung

Oft ist es der Kleinkram, der für eine reibungslos ablaufende Jagd sorgt. Organisiert Euch deswegen einen kleinen (!) Rucksack oder eine Umhängetasche, um folgendes Gerödel darin zu verstauen.


* Karte: Hilft bei der Orientierung im Gelände und bei der Organisation der Jagd.
* Forstmarkierungsband: Zum Markieren von Anschüssen und anderen interessanten Dingen, ersetzt die Bruchzeichen.
* Klappsäge: Zum Verbessern von Sicht- und Schussfeld, zum Beschaffen einer Ersatz-Hochsitzsprosse und zum Aufbrechen gleichermaßen dienlich.
* Gartenschere: Siehe Klappsäge. Euer Rippenzwicker.
* Kleine Taschenlampe, besser: Stirnlampe: Menschen sehen nachts so schlecht.
* Fleischerhaken (2): Zum Aufhängen und Ausschweißen lassen Eurer Beute - passende Aststummel sind nie da, wenn man sie braucht.
* Malerkrepp: V.a. zum Zukleben Eures Gewehrlaufes, aber auch sonst immer wieder hilfreich.
* Sitzfilz: Ein Muss nicht nur im Winter: Der Hintern friert sonst immer zuerst!
* Klopapier: Zum Markieren von Anschüssen, zur Suche von feinen Schweißtröpfchen, als Taschentuchersatz, und: eben auch als Klopapier.
* Jagdmesser: Zugegeben, ein wichtiges Werkzeug. Aber die skandinavischen Metzger-Messer für 9,90 € mit Plastikgriff sind die besten und billigsten Werkzeuge, die es zum Aufbrechen und Zerwirken gibt!
* Patronenetui: Hier gibt es eine Fülle von Angeboten - Hauptsache, das Ding ist praktisch und mit Ersatzmunition gefüllt. Mein Geheimtipp: Ein Überzieher am Hinterschaft mit Platz für neun Patronen.
* Erste-Hilfe-Set: Schließlich kann man es auch mal selber nötig haben.
* Autan: Gegen alle sommerlichen Kerb- und Spinnentiere, die uns drohen, lästig zu werden (v.a. beim Aufbrechen!).
* Papiere: WBK, Jagdschein, Personalausweis, schriftliche Jagderlaubnis. Ich lass das alles immer gut regengeschützt im Handschuhfach.
* Brotzeit/Trinkflasche: Denn wer viel arbeitet, muss auch mal pausieren. Aber lasst Euch nicht bei der eigentlichen Jagdausübung von Euren exquisiten Kaviarschnittchen und dem „Jägermeister"-gefüllten Flachmann ablenken…


Weiterhin solltet ihr dabei haben:

* Armbanduhr: Weil bei Sammelansitz und Drückjagd oft nach der Zeit gejagt wird, und es interessant sein kann, wann ihr etwas gesehen/geschossen habt.
* Handy: Heutzutage fast selbstverständlich, ein guter Jagdhorn-Ersatz.
* Klapphocker: Weil das Wild nicht immer in Hochsitznähe steht, und weil bei Drückjagden nicht immer Ansitzeinrichtungen zur Verfügung stehen.
* Mörtelwanne: Auch Wildwanne genannt, in jägergrün gleich mehrere hundert Prozent teurer als das Baumarkt-Pendant. Aber voll ist voll!
* Hut oder Mütze: Verdeckt Euer Gesicht ein wenig und schützt Euch vor Wind und Wetter. Hutband o.ä. nicht vergessen für Jagden mit mehreren Beteiligten!
* Warnweste: Bei Aldi und anderen Discountern immer wieder für 2,99 € im Angebot, ein Muss bei den groß angelegten Jagden, auch für die Schützen.
* Gehörschutz: Last but not least. Damit Ihr nicht so schreit, wenn Ihr einmal Euren Enkeln Jagdgeschichten erzählt. Teuer, aber gut sind die neuerdings immer mehr Verbreitung findenden elektronischen Gehörschutz, die je nach Situation dämmen oder verstärken. Ich behelfe mir mit einem Oropax-Stöpsel im rechten Ohr (links hatte ich seltsamerweise noch nie Probleme), das ist aber nur eine forststudentische Notlösung.


Jagdkleidung
„Kleider machen Leute."

…und Jäger tragen Lodenmantel und einen Hut mit Gamsbart. Natürlich sind wetterfeste Kleidung und festes Schuhwerk wie bei jeder Outdoor-Beschäftigung erforderlich.

Ansonsten tun es aber Hosen, denen Schmutz nichts ausmacht, und eine warme, leise Jacke. Hut/Mütze habe ich weiter oben schon angesprochen. Hilfreich für Bewegungsjagden bei Sauwetter ist eine wasserdichte Forstwirtsjacke oder ein Poncho in Signalfarbe zum Überziehen. Meine Lieblingshose zur Zeit stammt aus schwäbischer Produktion und ist im Beinbereich mit wasser- und dornendichtem Corduragewebe besetzt. Faserpelz ist ein wunderbares Zeug, leise, warm und leicht.

Gedeckte Farben sind z.B. gegenüber Blautönen zu bevorzugen, weil man so dem Wild verborgen bleibt (Ich habe aber auch schon mit jeansfarbenen Beinlingen Jagderfolg gehabt…). Zur Drückjagdzeit hin dann sollte viel Rot und Orange dabei sein, damit am Streckenplatz nicht „Jäger tot" geblasen wird.

Literatur
„Probieren geht über studieren."

Auch wenn ich diese Weisheit gerade in jagdlicher Hinsicht nur befürworten kann, so ist es doch nicht verkehrt, sich mit verschiedenen Büchern „fit zu lesen". Denn vielen Meinungen, Vorurteilen, Fehleinschätzungen und Phrasen zum Thema Jagd kommt man nur auf die Schliche, wenn man sich gut informiert. Und Information gibt gerade dem Jagdeinsteiger Selbstvertrauen und somit eine gute Basis für eigene Erfahrungen. Hier meine Vorschläge für Eure Jagdbibliothek.


* „Jagd 2000+" von Bruno Hespeler: Gibt Hinweise zur zeitgemäßen Bejagung des Schalenwildes, ganz praktisch aus Sicht des erfahrenen Berufsjägers geschrieben. Räumt mit vielen Vorurteilen der konventionellen Jägerschaft auf.
* „Schalenwild ansprechen" von Hespeler und Krewer: Bildbändchen, das den Jäger über den Jahreslauf hinweg mit allen Ansprechmerkmalen beim Schalenwild vertraut macht, sei es Geschlechts- oder Altersansprache.
* „Vor und nach dem Schuss", Bruno Hespeler: Alles Wissenswerte zum Thema Erlegung und Nachsuche. Ein Muss für jeden der auf Tiere schießen will.
* „Schalenwild bejagen", natürlich auch von Hespeler: Ein aid-Heft, sozusagen die Schmalspurausgabe von „Jagen 2000+", gerade durch seine Kompaktheit und Prägnanz aber überzeugend.

Und jetzt: Weidmannsheil und fette Beute!

Stephan Günther

Der Autor beendet diese Tage sein Jungjägerdasein mit dem Lösen seines
zweiten Dreijahresjagdscheines. Er studiert Forstwissenschaften in Freiburg,
ist jagdlich aber in vielen Revieren in Franken, Bayern und Ba-Wü unterwegs,
wobei ein klarer Schwerpunkt bei der Wald- und Hundejagd liegt."

März 2005

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