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Krankheiten des Rehwildes

Das Rehwild kann, wie alle anderen Tierarten, von vielen verschiedenen Erkrankungen betroffen sein. Der größte Teil davon ist von geringer Bedeutung: Viele Krankheiten kommen sehr selten vor oder sie belasten die Tiere nur wenig. Im Grunde sind es nur die parasitären Erkrankungen, die die Rehe häufig und zum Teil schwerer betreffen. Die bakteriellen und viralen Erkrankungen spielen nur eine untergeordnete Rolle.
Unter den Viruskrankheiten ist es vor allem die Tollwut, die bei Rehen hin- und wieder vorkommt. Häufig werden Rehe infiziert, weil sie sich Füchsen zur Wehr setzen, die an der Tollwut erkrankt sind. Diese Füchse lassen sich nicht mehr von den Rehen vertreiben und beißen ihre Widersacher (Einzelheiten zur Tollwut sind in Heft 3/99 nachzulesen). Andere Viruserkrankungen, etwa Leukosen mit tödlicher Tumorbildung kommen nicht häufig vor.
Ähnlich verhält es sich mit den Bakteriellen Erkrankungen. Sie sind selten bzw., wie im Falle der Brucellose (Heft 1/01) oder den geschwulstbildenden Aktinomykosen, am lebenden Stück meist nicht einmal erkennbar.

Endoparasiten: Magen- und Darmwürmer
Parasiten hingegen kommen bei Rehwild regelmäßig vor. Vor allem die Magen- und Darmwürmer können bei extremem Befall auch zum Tod der Rehe führen. Von den häufigeren Wurmarten waren in fast allen Untersuchungen mehr als 2/3 und in einigen Fällen sogar über 90% der untersuchten Rehe befallen (BOCH/SCHNEIDAWIND). Magen- und Darmwürmer kommen also überall vor. Sie beeinträchtigen die Rehe aber in den meisten Fällen kaum.

Auswirkungen und Symptome
Der Befall mit Magenwürmern führt zu einer Entzündung der Schleimhaut des Labmagens. Die entzündeten, rötlichen Stellen sind beim Eröffnen des Magens zu erkennen. Wenn diese Stellen aufgeschnitten werden, werden auch die Würmer sichtbar. Ein Befall mit Magenwürmern bringt Verdauungsstörungen mit sich und vermindert die Resorptionsfähigkeit für Nährstoffe. Erst ein massiver Befall führt zur Schwächung der Tiere oder zu Wachstumsstörungen.
Der Befall mit Darmwürmern führt ebenfalls zur Reizung der Schleimhäute. Dadurch wird eine Sekundärinfektion mit Darmbakterien begünstigt, die beispielsweise zur Geschwulstbildung führen kann. Darüber hinaus wird den Rehen von den Parasiten Blut entzogen, was in besonders schlimmen Fällen zu Blutarmut führen kann. Häufige Folgen des Befalls mit Darmwürmern sind auch Stoffwechselstörungen, die die Tiere schwächen und Prozesse wie die Geweihentwicklung oder den Haarwechsel verzögern können. Die im Wachstum befindlichen Kitze sind davon besonders schlimm betroffen. Bei adulten Tieren kann es zu einer Gewichtsabnahme der Tiere und zu Durchfällen kommen.

Gegenmaßnahmen?
Immer wieder wird die Anlage von Fütterungen als Maßnahme gegen Wurmbefall empfohlen. Diese Konzentration der Rehe an einem bestimmten Ort führt aber häufig genau zum Gegenteil der erwünschten Wirkung: Die Larven der Würmer können von besonders vielen Rehen aufgenommen werden. Der in Abb. 1 zu sehende prototypische Entwicklungszyklus von Magen-Darm-Würmern zeigt, dass die Larven über die Nahrung aufgenommen werden. Jede Maßnahme, die die Rehe auf bestimmten Äsungsflächen konzentriert, trägt also zur Verbreitung der Würmer bei. Dazu gehören auch häufige Störungen durch Jäger an bestimmten Orten, die die Rehe zum Ausweichen auf andere Gebiete zwingen.
Nur in Extremfällen sind Maßnahmen wie Biotopverbesserungen oder medikamentöse Behandlungen erforderlich. Letztere haben ohnehin keine Langzeitwirkung. Die überwinternden Wurmlarven führen im Frühjahr auf jeden Fall zu einer Neuinfektion der Rehe. Am ehesten noch verhindert die Absenkung der Rehwildbestände einen starken Befall mit Magen- und Darmwürmern.
Bei einer Aufnahme von geringen Larvendosen bilden Rehe Antikörper, was regelmäßig zur Spontanabstoßung der Würmer führt.


Ektoparasiten: Dasseln
Rehe haben viele Ektoparasiten. Am ehesten sind davon die Haut- und Nasen-Rachendasseln von Bedeutung, weil diese Parasiten die Rehe schwerwiegender schwächen als beispielsweise die häufig zu findenden Zecken oder Lausfliegen.
Nasen-Rachen-Fliegen spritzen an warmen Sommertagen Larven in die Nasenöffnung der Rehe. Die Rehe versuchen sich in der Regel erfolglos den Fliegen durch Flüchten oder Niesen und Kopfnicken zu entziehen. Die hartnäckigen Fliegen schaffen es meistens, ihre Larven in die Nasengänge der Rehe einzuspritzen, so dass sich die Larven dort festsetzen. Erst im Frühjahr des nächsten Jahres entstehen aus dieser ersten Larvengeneration die nachfolgenden Larvengenerationen, die mit etwa 3 cm beträchtlich größer sind und zu Atem- und Schluckbeschwerden führen. Diese Folgegenerationen können die Rehe unter Umständen schwächen. Symptomatisch für den Befall mit Nasen-Rachendasseln sind schwere Hustenanfälle, schnarchende Atemgeräusche und Niesen.
Im späten Frühjahr werden die Larven durch eben dieses Husten und Niesen ausgeschleudert. In der Laubstreu verpuppen sich die Larven und schlüpfen ab Ende Juni als Vollinsekt, das neue Larven verspritzen wird.
Die Hautdasselfliegen gehen bei der Verbreitung anders vor. Sie kleben ihre Eier in die Haare der Rehe. Normalerweise bevorzugen sie Stellen, die dünn behaart sind, wie etwa die Läufe oder die Flanken. Nach wenigen Tagen schlüpfen die Larven und bohren sich durch die Haut der Rehe. Aus den Flanken wandern die Larven in den Rückenbereich, wo sie eine Atemöffnung in die Haut stechen. Diese Atemöffnungen machen übrigens das Leder für die Weiterverarbeitung unbrauchbar. Im Winter werden die Dasseln mit Bindegewebe eingekapselt, wodurch sichtbare oder zumindest fühlbare Beulen entstehen. Die Rehe leiden unter Juckreiz und beginnen sich zu kratzen. Dadurch kommt es zu Blutungen und zu Schorfbildungen auf der Haut. Ein geringer Befall mit Hautdasseln ist für die Rehe aber unproblematisch. Erst ein stärkerer Befall führt zur Schwächung der Tiere und zu Gewichtsverlusten.
Für die Menschen sind die oben besprochenen Parasiten unproblematisch. Die betroffenen Teile der Rehe werden keiner Verwertung zugeführt. Sie werden mit dem Aufbrechen oder Abziehen der Haut entfernt. Auch die Rehe sind in den meisten Fällen nicht stark oder gar letal beeinträchtigt. In der Regel sterben Rehe nur durch parasitäre Erkrankungen, wenn sie ohnehin schon durch andere Erkrankungen oder Faktoren geschwächt sind. Trotzdem gilt die Faustformel „niedrige Rehwildbestände und keine Konzentration durch Fütterung oder Jagddruck" um parasitären Erkrankungen entgegen zu wirken. Übrigens sollten Dasseln, die beim Aufbrechen gefunden werden, mechanisch zerstört werden um dem Schlüpfen der Fliegen und damit dem Befall weiterer Rehe vorzubeugen.

Matthias Riemer
riemer@oejv.de

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