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Trophäenjagd
Wildbiologische Grundlagen der Geweihentwicklung
Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Sinnfrage einer Trophäenschau. Mögen diejenigen, die gegen dieses alljährliche Treffen sind, diesem fernbleiben. Wer gerne seine Jagdnachbarn treffen und Geweihe anschauen möchte, soll dieses tun. Bleibt zu hoffen, dass er/sie sich bewusst ist, dass es sich um ein rein gesellschaftliches Ereignis handelt und mit Wildbiologie, Bestandsbeurteilung oder ähnlichem nichts zu tun hat (Geweih und Fortpflanzungserfolg haben nichts miteinander zu tun, es ist sinnlos Böcke nach ihrem Geweih zu beurteilen).
Die nachfolgenden Abschnitte beschäftigen sich statt dessen mit dem Phänomen Geweih, das uns in der Jagdpraxis begegnet.
Woraus besteht das Geweih?
Warum die Cerviden (z.B. Rehe, Hirsche) ihr Geweih Jahr für Jahr abwerfen ist noch nicht geklärt. Sicher ist, dass der Aufbau des Geweihes über die darüberliegenden Hautschichten erfolgt. Nur so ist es möglich, dass Verzweigungen entstehen. Im Gegensatz dazu wächst das Gehörn der Boviden (z.B. Kühe) an dessen Basis und hat keine Möglichkeit des Stofftransportes an das Ende, kann sich also auch nicht verzweigen.
Das Geweih ist ähnlich aufgebaut, wie normaler Knochen. Es besteht zu 44% aus mineralhaltigen Eiweißverbindungen, 48% phosphorsaurem Kalk, 5% kohlensaurem Kalk und 2% kohlensaurem Magnesium (WAGENKNECHT). Diese Substanzen werden, wie schon am Anfang erwähnt, über die Blutgefässe an die Enden der wachsenden Geweihe transportiert. So wachsen die Kolben pro Tag um wenige Millimeter.
Geweihzyklus
Der Zyklus des Geweihaufbaus und Abwerfens ist durch Hormone bestimmt. Testosteron und Somatropin sind dabei ausschlaggebend. Der Hormonhaushalt selbst wird von der Hypophyse gesteuert. Die Arbeit dieser Drüse im Gehirn wiederum wird von der Lichtmenge beeinflusst, die je nach Tageslänge durch die Epiphysenknorpelfuge durch den Schädel eintreten kann.
Dieses Steuerungssystem bildet im Frühjahr mit zunehmender Tageslänge verstärkt das Wachstumshormon Somatropin. Es sorgt dafür, dass Knorpelsubstanz gebildet wird. Die Stangen beginnen zu wachsen. Mit dem später erfolgenden Anstieg der Testosteronkonzentration, dem Sexualhormon, dass in den Leydig'schen Zellen (Hodenzwischengewebe) produziert wird, beginnt der Knorpel zu verknöchern, das Wachstum der Kolben wird abgebrochen. Knochen und Bast sterben schliesslich ab, die Böcke fegen. Wenn im Herbst dann die Tageslängen wieder abnehmen, sinkt die Testosteronkonzentration. Auch die Somatropinproduktion nimmt ab diesem Zeitpunkt ab. Wenn die Konzentration der beiden Hormone im Winter auf ihrem Tiefststand angelangt ist, werfen die Tiere ihr Geweih ab. Nachfolgende Abbildung 1 erfasst diese Vorgänge..
Woher kommt die Form und die Farbe des Geweihes?
Mit zunehmender Verknöcherung des Geweihes wird die Blutversorgung über die Rosenstöcke stillgelegt. Das Längenwachstum ist abgeschlossen. Die Versorgung mit Blut erfolgt dann nur noch über wenige im Bast verlaufende Gefäße, sie hinterlassen die am Geweih deutlich sichtbaren Rillen. Mit der Zeit verödet auch die Blutvesorgung im Bast. Dabei lagern sich an einigen Stellen noch Baustoffe an, durch die die Perlung entsteht. Die unterschiedliche Gesamtausrichtung der Stangen kommt vermutlich dadurch zustande, dass organisches Material nicht überall gleichmässig abgelagert wird. Werden an einer Stelle mehr Baustoffe abgelagert, krümmt sich die Stange nach dieser Richtung.
Die Farbe des so entstandenen Geweihes ist nach dem Entfernen des Bastes zunächst weißlich. Es verfärbt sich durch Gerbstoffe und andere Bestandteile der Rinde von Sträuchern und Bäumen, aber auch durch Farbstoffe aus der Erde, die beim Fegen mit den Stangen in Berührung kommen. Die Oberfläche der Stangen ist anfänglich sehr porös und kann viele Farbstoffe aufnehmen. Mit fortschreitendem Fegen wird sie geglättet und kann keine Farbstoffe mehr aufnehmen, die Farbe ist dann festgelegt. Für die Farbe der Stangen ist also einerseits der Grad der Porösität der Knochen verantwortlich, denn dieser bestimmt, wie viel Farbstoffe aufgenommen werden können, andereseits aber ist es auch die Art der Pflanzen, an denen gefegt wird. Nach STUBBE verursachen Erlen und Nadelhölzer dunkle, Eichen gelbbraune und Buchen, Birken und Weiden helle Geweihe.
Übrigens...
... ist es nicht nachvollziehbar, dass so mancher Jäger gegen den Abschuss von Bastböcken ist. Böcke, die im Juni noch nicht gefegt haben, sind in der Regel unterentwickelt und nichts spricht gegen einen Abschuss.
... beurteilen sich Rehe nicht nach der Grösse ihres Geweihes. Es ist für die soziale Stellung (z.B. den Besitz eines Revieres) so wenig ausschlaggebend wie für den Vererbungserfolg.
Es sind also nur die Menschen, die sich an den Geweihen orientieren, vermutlich weil sie sich über die Trophäe freuen. Trotz dieser Freude darf die Bejagung nicht am Kriterium Geweih ausgerichtet werden.
von Matthias Riemer riemer@oejv.de
Schluß mit der Trophäenjagd -
die Forderungen von Tierschutz und ÖJV
Der Deutsche Tierschutzbund, Landesverband Bayern, und der Ökologische Jagdverein Bayern (ÖJV) fordern:
die sofortige Einstellung der Trophäenjagd - beispielsweise wegen ihrer negativen Auswirkungen auf die Altersstruktur der jeweiligen Wildpopulation. (Trophäenjagd ist eine „Jagd", die sich meist an der Größe oder Besonderheit einer zu erbeutenden Jagdtrophäe - zum Beispiel Stoßzähne, Hörner, Fell-/ Balggröße von seltenen Tieren - orientiert, ohne Rücksichten auf ökologische Einbettungen oder Hintergründe zu nehmen.)
die sofortige Einstellung der Jagd auf bedrohte Tierarten,
die Novellierung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (WA) derart, daß keine Ausnahmegenehmigungen für die Trophäenjagd auf geschützte Arten mehr erteilt werden können.
die Einstellung der Zahlung oder Bereitstellung von Entwicklungshilfe, wenn dadurch der Trophäenjagdtourismus gefördert oder unterstützt wird.
die Bindung von Entwicklungshilfe an die Maßgabe, daß die Mittel für die Entwicklung der regionalen Strukturen eingesetzt werden. Dabei gilt der Grundsatz, daß die Beachtung der Artenvielfalt eine besondere Rolle spielt und ein Weg eingeschlagen wird, um das natürliche Miteinander in der Region von Mensch und Tier zu fördern und sicherzustellen.
Der Bayerische Tierschutzbund und der Ökologische Jagdverein Bayern fordern die Reiseveranstalter auf,
Safaris und andere Jagdreisen auf bedrohte oder seltene Tierarten,
Safaris und Jagdreisen, die darauf abzielen, besonders begehrte Trophäen
zu erbeuten (Trophäenjagd), und
Safaris und Jagdreisen, die zwischen der einheimischen Bevölkerung und den jagenden Gästen eine entwürdigende Kluft im Stile früherer Herrenmentalität schaffen,
aus ihrem Angebot zu streichen.
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