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Hessen: Meckern über Molche

Im Zuge des Weiterbaus der Autobahn 44 durch Hessen geriet die Planung in ein Feuchtbiotop: dort leben geschätzte 5 000 Kamm-Molche, eine europaweit streng geschützte Spezies. Damit sind sie ein unüberwindliches Hindernis für Verkehrswege aller Art. Nach deutschem und auch nach europäischem Recht. Dennoch hielten die Planer an ihrer Trassenführung fest. Daraufhin liefen die Naturschutzverbände Sturm gegen die rechtswidrige Linie und erzwangen schließlich einen Kompromiß. Die Planer bleiben bei ihrer Trasse, aber legen sie zugunsten der Molche durch einen Tunnel.
Zusatzkosten ca. 50 Millionen, macht pro Lurch an die 10 000 Euro. Nun schüttelt Hessens Verkehrsminister Posch (FDP) das kahle Haupt und lamentiert lautstark über zu hohe Kosten für Natur- und Artenschutz. Und der Bund der Steuerzahler stößt ins gleiche Horn. Seltsamerweise kritisiert niemand die sturen Strassenplaner, die sehenden Auges in den Sumpf hineinplanten und so die eklatanten Mehrkosten erst verursacht haben. Schuld sind jetzt die Molche. Einfach weil sie da sind, wo sie sind.
So sieht das nun auch Hessens LJV-Präsident Dietrich Möller (CDU), der dem Verkehrsminster flugs den Rücken stärkt. „Schwierig wird es", schreibt er in seinem Verbandsblatt „Hessenjäger","wenn der Versuch unternommen wird, bei Baumaßnahmen eine einzelne Art zu nutzen, um entweder eine Maßnahme zu verhindern oder durch hohe Nebenkosten zu Fall zu bringen". Vergleichbare und höhere Kosten hätten denn auch Feldhamster, Fledermäuse und andere sture Biotop-Insassen auf dem Kerbholz. Vom Juchtenkäfer in Stuttgart ganz zu schweigen.
Möllers erstaunliche Botschaft: „Es gilt das Gleichgewicht in der Natur zu erhalten. Das bedeutet aber auch, dass es Gewinner und Verlierer geben kann".
Und die Verlierer, das ist klar, haben gefälligst die zu sein, die unverfroren ihre Glitsche-Haut, wahlweise auch Fell und Federn, durch die Umwelt tragen.
Mit anderen Worten: Naturschutzrecht schön und gut. Aber es darf weder „Maßnahmen" verhindern noch Mehrkosten mit sich bringen. Ein reichlich bizarres Rechtsverständnis, mit dem aber Möller offenkundig in illustrer Gesellschaft ist.
Dumm bloß, dass Bundesumweltminister Röttgen (CDU) in diesen Chor nicht einstimmen will. Er ließ die hessischen Molch-Kritiker wissen, dass der teure Tunnelbau mitnichten unverhältnismäßig sei. Schließlich stünden diese Wasser-Salamander „stellvertretend für ein ganzes Ökosystem, das in seiner Gänze wichtige Funktionen im Naturhaushalt übernimmt".
Und den Verkehrsplanern diktierte er ins Stammbuch, sie sollten künftig ihren Job besser machen. Dann kämen die Projekte auch nicht so teuer.

Hannes Dursch-Dewald
06.11.2010

Mehr dazu: http://www.bund-hessen.de/themen_und_projekte/verkehr/

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