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„Maßnahmenkonzept zur Anpassung der Wälder Mecklenburg-Vorpommerns an den Klimawandel" - und das Jagdproblem wird ausgeblendet!
Im Mai dieses Jahres hat das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern eine 26-seitige A4-Broschüre heraus gegeben, die unter o.g. Titel den Weg unserer Wälder in Zeiten des Klimawandels aufzeigen soll.
Minister Backhaus merkte dazu in seiner Rede vor dem Landtag an:
„Komplexe Klimamodelle prognostizieren auch für Mecklenburg-Vorpommern eine spürbare Klimaveränderung. So werden in den nächsten Jahrzehnten tendenziell ansteigende Temperaturen und abnehmende Sommerniederschläge erwartet. Außerdem muss mit einer Zunahme extremer Witterungsereignisse (Orkane, Dürre, Überschwemmungen) gerechnet werden. Das Klima wird sich vielfältig auf unsere Wälder auswirken, denn neben dem Boden ist das Klima der wichtigste natürliche Standortfaktor. Im Gegensatz zu vielen anderen Wirtschaftsbereichen verfügt die Forstwirtschaft über einen wesentlich geringeren Handlungsspielraum, um auf negative Wirkungen des Klimawandels zu reagieren". Es sei forstpolitisches Ziel, die Funktionsfähigkeit der Wälder in ganzer Breite nachhaltig zu sichern. Dazu müssten die Waldbestände nicht nur an die aktuellen Standortgegebenheiten gut angepasst sein, sondern müssen wegen des sich ändernden Klimas auch über eine möglichst große Anpassungsfähigkeit verfügen. In diesem Sinne habe das Landwirtschafts- und Umweltministerium ein „Maßnahmenkonzept zur Anpassung der Wälder Mecklenburg-Vorpommerns an den Klimawandel" erarbeitet. Das Konzept enthalte erstmals die aus Sicht des Landes wichtigsten Aktivitäten zur Waldanpassung an den Klimawandel. „Das Ziel lautet: Entwicklung klimaplastischer Wälder, die auch künftig ökonomische, ökologische und soziale Funktionen nachhaltig gewährleisten. Dazu gehören Maßnahmen wie:
·Erarbeitung klimarelevanter Standortinformationen und darauf aufbauend Identifizierung von Wald-Risikogebieten.
·Durchführung von Untersuchungen zur Stresstoleranz und Anpassungsfähigkeit heimischer Baumarten sowie Prüfung der Anbaueignung fremdländischer Baumarten.
·Forcierte Weiterführung des Umbaus nicht standortgerechter Nadelbaumbestände.
·Anpassung und Optimierung der Überwachungs-, Prognose- und Bekämpfungsmaßnahmen für Schaderreger im Wald.
·Qualifizierung der Waldbesitzer für die Umsetzung von Anpassungsmaßnahmen.
Diese Beispiele verdeutlichen, dass von Waldbesitzern und Forstverwaltungen wegen des Klimawandels in nächster Zukunft große Anstrengungen bzw. finanzielle Mittel zur Risikovorsorge aufzubringen sind."
An Beispielen verdeutlichte Backhaus die Leistungen der Wälder zum Klimaschutz. So werden in deutschen Wäldern bereits heute über 1,2 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gespeichert, davon rund 50 Millionen Tonnen in Mecklenburg-Vorpommern. Die jährliche Kohlenstoffanreicherung der Wälder Deutschlands beträgt dank nachhaltiger Waldnutzung 17 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.
Das Maßnahmenkonzept enthält nach Meinung des ÖJV Mecklenburg-Vorpommern viele richtige Ansätze und Gedanken, die aber in der Fachwelt auch nicht übermäßig neu sind. Dennoch ist es sicherlich sinnvoll, diese auch für unser Bundesland in einem kompakten Konzept zusammenzuführen und darzustellen, um die Maßnahmen auch der einheimischen Bevölkerung, vor allem den Waldbesitzern, darstellen zu können. Das Konzept ist downloadbar auf www.wald-mv.de im Downloadbereich „Waldbau".
So weit - so scheinbar gut. Nur fragt sich der fachlich im Thema stehende Leser: Und wo bleibt die Wald-Wild-Frage? Es ist allzu offensichtlich und bekannt, dass gerade Mecklenburg-Vorpommern immer noch unter dem Einfluss extremer Dichten des verbeißenden und wiederkäuenden Schalenwildes steht (siehe auch nebenstehende Artikel zu den Jagdstrecken). Die Wildschäden im Wald sind entsprechend hoch (vgl. z.B. die Ergebnisse der letzten BWI, die anstehende dürfte kaum bessere Ergebnisse bringen), das Bewusstsein für diese Schäden bei den Jäger, aber leider auch bei vielen einheimischen Forstleuten immer noch erschreckend gering. Eine zu dominante Rolle hat das Primat der Jagd und der hohen Wildbestände in der Ausbildung und Prägung der meisten gespielt, hinzu kommt beispielsweise das Problem, dass mit der Privatisierung durch die Treuhand bzw. BVVG große Eigenjagden entstanden sind, die in erster Linie dem Jagdvergnügen zu dienen haben - der Wald dient hier auf großen Flächen eher der Kulisse.
Umso dringender und wichtiger wäre es gewesen, das Problem gerade in einem „Maßnahmekonzept zur Anpassung der Wälder Mecklenburg-Vorpommerns an den Klimawandel" darzustellen. Doch was findet der geneigte Leser? Einen einzigen (!!) lapidaren Satz auf Seite 14 unter dem Punkt „Genetische Vielfalt durch natürliche Waldverjüngung": „Damit verbunden kommt der Gewährleistung
waldverträglicher Wilddichten eine wichtige Rolle zu."
Das war es - ob Sie es glauben oder nicht. Kein Wort vom flächigen Ausfall der gerade eben noch als so wichtig postulierten gemischten Waldverjüngung mit allen Folgeproblemen hinsichtlich Instabilität, mangelnder Plastizität, ausbleibender Wertschöpfung und so weiter und so fort. An welcher Stelle will man denn noch auf die drängenden Probleme aufmerksam machen, die Zielsetzung und Praxis der Schalenwildbejagung mit sich bringen? Wenn die Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel dafür nicht wichtig genug ist, in dieser Frage endlich auch politischen Druck zur Lösung aufzubauen, fällt uns nicht mehr viel ein.
Wie soll es denn gelingen, die formulierten Ziele zu erreichen? Mit flächiger Kunstverjüngung unter massivem Zaunschutz wohl kaum. Dies ist jedoch der Status Quo, und Änderung flächig kaum in Sicht.
Es bleibt unverständlich, warum dieses unter dem Aspekt „Wald im Klimawandel" so zentral wichtige Thema im Konzept vollständig ausgeblendet wird. Es bleibt nur die Erklärung, dass die Jägerlobby für Politik und Verwaltung eine so hohe Bedeutung hat, dass man auch diese Gelegenheit auslässt, hier endlich zu Verbesserungen zu kommen.
Fazit: Es können noch so viele richtige Feststellungen und Maßnahmen in einem Konzept zusammengestellt werden; so lange ein derartig zentrales Problem für die Zukunft unserer Wälder einfach ausgeklammert wird, kann es nicht glaubwürdig sein.
ÖJV Mecklenburg-Vorpommern, Der Vorstand
Okt. 2010
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