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Luchse in Mecklenburg-Vorpommern?
von André Schwarz
Seit der Änderung des Verbandslogos vor wenigen Jahren hat auch der Ökologische Jagdverein Mecklenburg-Vorpommern den Luchs in seinem Vereinsemblem.
Nach der Problematik „Wald und Wild" nehmen wohl Artikel zu dem Thema Wiederbesiedelung und Umgang mit Großprädatoren den zweitgrößten Teil in unserem Vereinsmagazin „Ökojagd" ein.
Zu diesem Thema herrschte in M-V jedoch bisher Funkstille. Wiederauswilderungsversuche für Braunbär und Wolf in M-V sind denn wohl zum heutigen Zeitpunkt nicht realistisch. Durch das vermehrte Wiederauftreten des Wolfes hier in freier Wildbahn in den letzten 2-3 Jahren und zahlreiche Ansiedlungserfolge beim Luchs in Deutschland und Europa ermutigt, wollen wir uns als ÖJV M-V aktiv dafür einsetzen, dass auch in unserem Bundesland ein Managementplan für den Umgang mit den Großprädatoren - wie schon in anderen Bundesländern geschehen - erarbeitet wird.
Beim Wolf kann es nur darum gehen, die wieder heimisch werdenden Tiere bestmöglich zu unterstützen und zu schützen. Beim Luchs jedoch sehen wir aufgrund geringer Migration der Art und eines ungleich geringeren Konfliktpotentials durchaus große Chancen für eine aktive Wiederansiedelung.
Der Luchs ist seit mehr als 200 Jahren in unserem Bundesland ausgestorben, wo er einst flächendeckend vertreten war. Der letzte frei lebende Luchs, der sich M-V immer noch sehr weit weg „näherte", war wohl der vor einigen Jahren bis nach Stendal in Sachsen-Anhalt aus dem Harz gewanderte Luchs. Wollen wir in M-V nun noch weitere viele Jahre warten, bis der erste Luchs aus natürlicher Besiedlung auftaucht, erste Vorkommen vielleicht in 50-100 Jahren?
Die zahlreichen Ansiedlungserfolge in anderen Bundesländern in den letzten zeigen, dass es geht. Diese Besiedelungsgebiete sind in der Regel weiträumig voneinander getrennt. Für das dauerhafte Überleben des Luchses in Deutschland müssen auch die anderen noch luchsfreien Bundesländer und Nachbarländer Projekte für die Wiederansiedlung des Luchses starten. Der Luchs war früher in ganz Deutschland zu Hause, auch im Flachland, nicht nur in den Mittel- und Hochgebirgen (siehe heute noch - landschaftlich mit Norddeutschland vergleichbar - hohe Vorkommen im Nordosten Polens, im Baltikum, in Südschweden, in Russland,... Als ÖJV M-V wollen wir die Bildung einer Arbeitsgruppe Luchse in M-V mit anschieben. Dazu soll im Herbst eine erste Interessenabfrage stattfinden. Bei derartigen Projekten in anderen Bundesländern haben sich in der Regel über 100 Einzelpersonen, Organisationen und Verbände an den Vorhaben beteiligt.
Mögliche Quellen für hier auszuwildernde Luchse könnten bei Erschließung entsprechender Finanzquellen z.B. im Baltikum liegen: In Lettland dürfen jedes Jahr noch 100 Luchse offiziell erlegt werden. Diese wären als Lebendfang in den Wäldern Mecklenburg-Vorpommerns besser aufgehoben als als Bettvorleger oder Wandtrophäe.
Fazit: Es tut sich was zum Thema Luchs in M-V. Der Ausgang ist jedoch offen. Mit guten Ideen und Engagement kann man heute fast alles erreichen. Andere Arbeitsgruppen haben schon viele Tiere angesiedelt. Wir können ihre Erfahrungen und Vorgehensweise für uns nutzen und müssen nicht alles neu erfinden. Das Interesse und die Unterstützung der Bevölkerung diesbezüglich sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen, wie der nebenstehende Zeitungsausschnitt erkennen lässt.
Viele Bürger würden sich darüber freuen, wenn der Luchs wieder bei uns heimisch sein könnte!
Noch einige weitere Gedanken und Fakten zum Thema „Luchs in Deutschland und Europa"
Der Luchs war einst quasi in ganz Europa verbreitet (mit Ausnahme weiter Teile Portugals und Spaniens). Um 1900 war er jedoch in West- und Südeuropa so gut wie ausgerottet. Seit 1950 bemühte man sich um die Stabilisierung der letzten Restvorkommen, seit 1970 laufen Wiederansiedlungsprojekte in vielen Teilen Europas. In Deutschland gab es 1999 erste Auswilderungen im Harz, bis 2003 wurden dort alleine 18 Luchse in die freie Wildbahn entlassen. Insgesamt leben in Deutschland gegenwärtig 70 - 100 Luchse. Für eine natürliche Zuwanderung kommt bei uns hauptsächlich der Migrationsweg Tschechien - Harz in Frage, jedoch ist auf diesem Wege nur mit einer äußerst trägen Zuwanderung zu rechnen.
Wie sieht es gegenwärtig in anderen europäischen Staaten aus?
Z.B. in Litauen geht man von einer Dichte von 1 Luchs auf 2000 ha aus (5000 ha/Paar + Junge). In Lettland schätzt man 700 Luchse, jedes Jahr werden 100 Stück offiziell erlegt und damit sogar jagdlich genutzt. Dies gilt auch für die skandinavischen Länder, Russland, die Slowakei und Slowenien.
Luchse legen am Tag durchschnittliche Strecken von 8 km (Luchsin: 7 km, Kuder: 9 km) zurück und erbeuten dabei unter mitteleuropäischen Verhältnissen ca. 1 Reh pro Woche innerhalb ihres großen Streifgebiets. Bei den gegenwärtigen Rehwilddichten müsste jeder Jäger - selbst bei einem angenommenen flächigen Vorkommen des Luchses - somit in Deutschland gerade einmal alle 3 Jahre auf 1 Reh verzichten. Die für Großprädatoren typischen großen Reviere der einzelnen Tiere, die Sozialstruktur der Luchspopulation, die Abwanderung, geringe Reproduktion, hohe Sterblichkeit der Jungtiere, hohe Gefahr durch den Straßenverkehr und andere menschliche Einflüsse sprechen schon von vornherein gegen die starke Ausbreitung des Luchses oder gar eine „Luchsplage".
Vorrangiges Ziel der europäischen Luchsschützer war und ist die Vernetzung der einzelnen, isolierten Vorkommen der Großkatzen, denn nur so kann der Luchs in Mitteleuropa auf die Dauer überleben. Wichtig dabei sind u.a. Aufklärungsarbeit sowie der Aufbau eines effektiven Beobachtungsmanagements. Wichtig ist auch die Tatsache, dass der Luchs einen zusätzlichen Werbefaktor für eine Naturtourismus-Region darstellen kann, in unserem Bundesland möglicherweise für den Müritz-Nationalpark.
Soll der Luchs eine Chance haben, so sind die Jäger notwendig als enge Verbündete. Sie sind für das Wohlergehen der Prädatoren nicht minder verantwortlich als für jenes von Enten, Hasen und Rehen!
Wir freuen uns auf ihre Meldungen, Fragen, Anregungen und eigenen Erfahrungen zum Thema Luchswiederbesiedelung in Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland.
André Schwarz
André Schwarz ist Mitglied im ÖJV Mecklenburg-Vorpommern und erster Ansprechpartner in Sachen Luchs: andreschwarzmv@web.de
Hier ein Ausschnitt aus Schweriner Volkszeitung, 31.1.2007.
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