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Weniger füttern - mehr schießen!
NABU und ÖJV fordern Land und Jäger / Neue Wildschwein-Broschüre
In Baden-Württemberg ist die Sau los: Begünstigt durch den Klimawandel und von Jägern ausgebrachtes Kraftfutter vermehren sich die Wildschweine rasant - und mit ihnen die Probleme. „Landesregierung und Jäger müssen endlich wirksam gegensteuern", fordern die Landesvorsitzenden Dr. Stefan Rösler vom NABU und Prof. Rainer Wagelaar vom Ökologischen Jagdverband (ÖJV) bei der Präsentation der neuen 32-seitigen NABU-Broschüre „Wildschweine in Baden-Württemberg". „Beide Seiten sind direkt oder indirekt gefordert, Jagdstrategien zu verbessern, mehr zu schießen und die Fütterung der Wildschweine konsequent zu reduzieren." Der milde Winter 2006-2007 hat einen fatalen Grundstock gelegt: Wenn sich erst alle durch den Winter gekommenen Schweine fortgepflanzt haben, wird die Anzahl der Tiere nach oben schnellen.
Wildschweinrotten richten in Baden-Württemberg Schäden in Millionenhöhe an. Sie verwüsten Hausgärten und Maisäcker, verursachen Autounfälle und zerstören geschützte Biotope. Die Ursachen dafür sind komplex - so begünstigt der Klimawandel beispielsweise die Wildschwein-Vermehrung: In milden Wintern überleben auch schwache Tiere, die dann im Frühjahr Nachwuchs bekommen. Auf Sturmwurfflächen finden Wildschweine ausgezeichneten Unterschlupf und sind dort schwer zu bejagen. Bei Schneemangel sind die Spuren weniger deutlich zu sehen, so dass eine gezielte Bejagung unmöglich ist. Diese Folgen des Klimawandels lassen sich nicht von heute auf morgen ändern.
"Umso wichtiger ist, dass wir an den Stellschrauben drehen, die wir auch kurzfristig beeinflussen können", fordert Rösler. „Die wichtigste Rolle spielt dabei die Jagd: Die traditionelle Ansitzjagd auf Wildschweine, bei der die Tiere mit Futter angelockt werden, hat versagt." Durchschnittlich braucht ein Jäger 36 Stunden, um an diesen Lockfütterungen eine Sau zu schießen. „Für diese ineffiziente, bei Jägern jedoch überaus beliebte, weil bequeme Jagdform wird mit dem Segen der Landesregierung tonnenweise Kraftfutter ausgelegt - ganzjährig und landesweit! In einem einzigen Jagdrevier mit über 100 Hektar Waldanteil kann sich das Futter nach unseren Berechnungen auf bis zu 1,3 Tonnen pro Jahr summieren!", ärgert sich Rösler.
Ständige Kraftfuttergaben verbessern die Kondition der Tiere und werden von den Wildschweinen in ihren Nachwuchs investiert. Zwar wurden im vergangenen Jahr 36.336 Wildschweine zur Strecke gebracht. „Die Jäger dürfen sich aber hinter diesen hohen Abschusszahlen nicht verstecken, denn von einer wirksamen Reduzierung der Bestände kann keine Rede sein. Schäden kann man jedoch nur vermeiden, indem man die Bestände wirksam reduziert. Dafür dürfen Wildschweine aber nicht dauerhaft mit Kraftfutter versorgt werden. Das passt nicht zusammen", erklärt Wagelaar. „Wenn diese halbdomestizierten Schweine dann auch noch als Wild verkauft werden, ist das eine Verbrauchertäuschung. Wo Wild drauf steht, muss auch Wild drin sein", sind sich beide Vorsitzenden einig und fordern bei der Wildbretvermarktung mehr Transparenz.
Anstelle der ineffizienten Ansitzjagden sollten die Jäger auf die bei weitem effektiveren Drückjagden setzen. Aus Sicht von NABU und ÖJV wurde diese Jagdstrategie bislang nicht konsequent genug und zu selten revierübergreifend durchgeführt. Ziel müsse sein, dabei vor allem auch mehr weibliche Tiere ohne Jungen zu schießen. „Das Management der Wildschweinbestände wird der Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit und die Akzeptanz der Jagd in der Gesellschaft", so Rösler und Wagelaar. „Beim dringend notwendigen Abschuss scheint es vielen Jägern indes nicht am Können als vielmehr am Willen zu mangeln. Das persönliche Vergnügen, ständig Schweine im eigenen Revier zu haben, steht viel zu oft im Vordergrund."
Neben den Jägern steht auch die Landesregierung in der Pflicht. Baden-Württemberg war 2002 Vorreiter bei der Neufassung der Wildfütterungsbestimmungen. „Heute machen uns Bundesländer wie Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen vor, wie es geht: Ob eine Anzeigepflicht für Kirrungen (Lockfütterungen), eine Beschränkung auf weniger Lockfütterungen pro Revier mit zeitlicher Einschränkung, eine drastische Reduktion der Lockfuttermenge oder eine Beseitigungspflicht für nicht genehmigte Futterstellen - das alles sind Dinge, die wir in Baden-Württemberg schnellstens übernehmen müssen!", fordern Rösler und Wagelaar.
Die neue 32-seitige NABU-Broschüre „Wildschweine in Baden-Württemberg" informiert ausführlich über die Situation der Wildscheine im Südwesten. Ursachen, Folgen und Lösungsmöglichkeiten sind ebenso Thema wie praktische Tipps für Spaziergänger, Gartenbesitzer und Autofahrer. Die Broschüre kann ab sofort für 2,50 Euro (zzgl. Versandkosten) beim NABU bestellt werden.
Adresse
NABU Baden-Württemberg
Tübinger Str. 15
70178 Stuttgart
Telefon: 0711 / 966 72 - 0 | Fax: - 33
E-Mail: nabu@nabu-bw.de
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