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Jäger vermissen Basisdemokratie
aus Märkische Oderzeitung
Von Silke Müller
Dem vorliegenden Entwurf eines offenen Briefes an den Präsidenten des Deutschen Jagdschutzverbandes Jochen Borchert haben die Mitglieder des Kreisjagdverbandes Bad Freienwalde am Ende doch nicht zugestimmt.
Dabei war der Unmut groß. War den Jägern doch schon vor längerer Zeit zu Ohren gekommen, dass an einem neuen Bundesjagdgesetz gearbeitet wird. Doch nirgends ließ sich ein Entwurf dieses Gesetzes auftreiben - weder in der Jagdfachpresse noch im Internet. Stattdessen war hier und da immer mal wieder häppchenweise zu lesen, was sich mit dem neuen Bundesjagdgesetz verändern solle. Was auf diese Weise an die betroffene Basis durchsickerte, machte die Jäger ärgerlich. Zum einen, weil sie nach ihrem Demokratieverständnis mitreden, ihre Erfahrungen und Empfehlungen als Betroffene in die Debatte um das geplante neue Jagdgesetz einbringen wollen. Zum anderen, was die Jäger des Freienwalder Jagdverbandes inhaltlich mitbekamen, brachte sie auf die Palme. "Nach den uns spärlich vorliegenden Inhalten dieses Gesetzentwurfes werden einige Grundpositionen für die Jagd infrage gestellt und aufgeweicht", formulierte es Günther Manow, der Vorsitzende des Bad Freienwalder Kreisjagdverbandes. Etwa, dass der Zusammenschluss in Hegegemeinschaften künftig auf privatrechtlicher und freiwilliger Basis erfolgen solle. Und das, obwohl die Hegegemeinschaften für die Wildbewirtschaftung eine ganz entscheidende Rolle spielen. "Am sinnvollsten wäre eine verbindliche Mitarbeit aller Jäger in den Hegegemeinschaften", so Manow. Nur sie könnten dank ihrer örtlichen Erfahrungen vertretbare Wildbestände und Abschusspläne vorschlagen, die eine nachhaltige Wildbewirtschaftung sichern. Mit den jetzt vorliegenden Regelungen im Gesetzentwurf würden man ihre Verantwortung beschränken.
Nicht nachvollziehbar sei auch, dass Rehwild nach dem Gesetzentwurf künftig ohne Abschussplan bejagt werden soll. Das klinge, als ob man künftig jedes Reh erlegen dürfe. Warum, fragen sich die Jäger des Freienwalder Verbandes, ignoriert man die Erfahrungen der Niederwild-Hegegemeinschaften?
Heftige Kritik formuliert der Verband auch am bislang geplanten Aufheben der Pachtobergrenze von 1000 Hektar. Dies sei eine große Gefahr für das bewährte Reviersystem. Mehr noch: Die Jäger befürchten einen Rückfall in feudale Jagdverhältnisse. Die Jäger sehen die Gefahr, dass die Jagd zunehmend zum Privileg weniger, gut situierter Leute werden könnte.
Nicht akzeptieren wollen die Jäger auch, dass laut Gesetzentwurf offenbar nichts neu geregelt werden soll, was im Zusammenhang mit der Wildschadensregulierung steht. Gerade das aber mahnen die Jäger seit langem an, so Manow. So solle die Wildschadenslast auf die Schultern aller Beteiligten verteilt werden, sagt der Verbandsvorsitzende mit Blick auf die Landwirte. Bauernverbandsvorsitzender Hendrik Wendorff habe dazu bereits Gesprächsbereitschaft signalisiert und zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit aufgerufen.
Dass die Jäger des Kreisjagdverbandes ihre Kritik nicht demonstrativ in einem offenen Brief an den Präsidenten des Deutschen Jagdschutzverbandes (DJV) weitergaben, daran hatte DJV-Vizepräsident Dr. Wolfgang Bethe, zugleich Präsident des Landesjagdverbandes Brandenburg, Anteil. Er informierte, dass die Überlegungen zum neuen Jagdgesetz bereits weiter gereift seien. Dies betreffe gerade die bisherigen Formulierungen zu den Hegegemeinschaften und zur Bejagung des Rehwildes.
Damit bleibt vor allem noch die Kritik mangelnder Basisdemokratie. "Stellen Sie den Gesetzentwurf allen Jagdverbänden zu, damit er in breiter Form diskutiert werden kann", fordert der Freienwalder Kreisjagdverband. "Es muss gesichert werden, dass der große Erfahrungsschaft aller Weidmänner für das Gesetzgebungsverfahren genutzt werden kann." Und das kommt auch ohne Brief "oben" an.
Samstag, 10. Februar 2007 (06:58)
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