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Hessen: Sauen im Bermuda-Dreieck

In den letzten Jahren hat sich das Schwarzwild bundesweit in das Bewußtsein der Bevölkerung gewühlt: an den Siedlungsrändern gerieren sich die Sauen als Kulturfolger, durchpflügen Vorgärten und plündern Mülltonnen. Häufiger als früher waren sie in spektakuläre Verkehrsunfälle verwickelt. Unübersehbar hatte die Populationsstärke zugenommen.
Selbst die BLÖD-Zeitung forderte: da muss etwas passieren!

Hessens Jäger haben auf diese Entwicklung verantwortungsvoll reagiert. Im Jagdjahr 2008/2009 meldete die Jagdstatistik eine Rekordstrecke: 72.260. 2007/2008 waren es nur 46.786, im Vorjahr gar nur 29.799. Unübersehbar eine gewaltige Steigerung. Die Bevölkerung konnte lesen: die Jäger tun etwas! Soweit, so prima.

Nun machten sich aber die Grünen im hessischen Landtag Sorgen um die Trichinen im Schweinefleisch und fragten deshalb die zuständige Ministerin ganz offiziell nach den Befunden beim Schwarzwild. Die Antwort war ein Zahlenwerk mit etlichen Fragezeichen.

Wo sind all die Schweine hin ?

Laut Ministerin wurden 2006 26.843, im Jahr 2007 22. 271 und 2008 35.466 Trichinen-Untersuchungen bei Wildschweinen durchgeführt. Macht zusammen genommen 84.580. Erlegt wurden allerdings in diesem Zeitraum 148.845 Borstentiere. Nun muss man da berücksichtigen, dass das Jagdjahr 2008/2009 noch drei Monate im Kalenderjahr 2009 ausmacht, über die sich die Ministerin ausschweigt. Da dürften dann auch noch etliche Sauen zur Trichinenschau gekommen sein. Zumal in Hessen Frischlinge und Überläufer durchgängig bejagt werden. Berücksichtigen muss man zudem, dass nicht alle erlegten Tiere auch wirklich als Lebensmittel verwertet wurden. So wurden etwa von den 72.260 Schwarzkitteln des JJ 2008/2009 laut Statistik nur 70.697 der Küche zugeführt. Also ein Schwund von guten 2 %, die natürlich auch nicht untersucht wurden.

Großzügig kalkuliert, müssen also von den 148.845 Sauen runde 4000 „Ungeniesbare" abgezogen werden. Bleiben also noch 144.845 .
Wohlwollend rausrechnen kann man dann auch noch ein Drittel der Jahresstrecke 2008/2009, weil ja für 2009 noch keine Untersuchungszahlen vorliegen. Das wären dann runde 24.000 Sauen weniger. Verbleibt eine Gesamtstrecke von 121.845 Sauen. Davon wurden aber erstaunlicherweise eben nur 84.580 untersucht.

Verstöße gegen die Trichinen-Verordnung?

Silke Lautenschläger (CDU), Hessens Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Sauen

Muss man also davon ausgehen, dass Hessens Jäger von 2006 bis 2008 in 37.265 Fällen gegen die Fleischhygieneverordnung verstoßen haben?
Mitnichten, sagt da die Ministerin. Deswegen hat sie ihrer Antwort an die Grünen eine umfangreiche Vorbemerkung vorangestellt. Damit da nichts mißverstanden wird.
Dort wird vorsorglich darauf hingewiesen, dass die Beprobung zwecks Trichinen-Kontrolle nicht nur am Ort der Erlegung, sondern eben auch am Wohnort des Erlegers erfolgen kann. Jäger aus anderen Bundesländern könnten ihre in Hessen erbeuteten Schwarzkittel also ganz legal zuhause untersuchen lassen. Schwupps - schon wären sie aus der Statistik gerutscht. Ähnlich ergehe es toten Sauen, die an Wildverarbeitungsbetriebe außerhalb Hessens verkauft würden. Im Regelfall würde die Tiere dann in diesen Betrieben untersucht. Auch dies sei ganz legal. Es könne aber ebenfalls zu Diskrepanzen zwischen der hessischen Schwarzwildstrecke und der erfassten Zahl der Beprobungen führen.
Hinweise der Ministerin, die gottlob allen Argwohn zerstreuen. Bei 37.265 Sauen ohne Trichinen-Untersuchung hätte man ja auch auf den Gedanken kommen können, die seien womöglich nie zur Strecke gekommen, sondern nur in die Jagdstatistik. Die belegt ja eindrücklich, dass Hessens Jäger auf die rasante Zunahme des Schwarzwildes ebenso rasant reagiert haben.
Den wohlfeilen Einwand, bei Sauen und Rehwild sei ja in Hessen kein „körperlicher Nachweis" gefordert, die Jagdstatistik mithin ein Stück Fantasy-Literatur, lassen wir einfach nicht gelten. Stattdessen ein donnerndes Weidmannsheil.

MT

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